http://www.myspace.com/steelcelloensemble
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Das Stahlcello: ein über zwei Meter hohes Metallsegel, das sich unter der Spannung einer langen Saite wölbt. Bow Chime und Bass Chime – große gebogene Metallschilde auf geschwungenen Eisenständern, an denen je fünf fingerdicke Messingstäbe über einen Steg befestigt sind. Primitive selbstgefertigte Streicherbögen aus Angelschnur erzeugen auf diesen archaischen, kräftigen Instrumentskulpturen tiefe, sonore Klanggewitter, verstörend und ekstatisch.
Bob Rutman, der am 15.Mai 2011 stolze 80 Jahre alt wurde, ist Instrumentenbauer, Klangerfinder und Musiker, aber ebenso Bildhauer, Maler und Zeichner. Rutmans bizarre Lebensgeschichte beginnt 1931 in Berlin, kurz vor der Machtergreifung der Nazis. 1938 flieht seine jüdische Mutter mit ihm nach Polen; über Finnland, Schweden und England landet er 1950 in New York, von wo er 1951 für zwei Jahre zum Militärdienst nach Deutschland geschickt wird. Danach studiert er Kunst in New York und Mexiko. Dort schließt er enge Freundschaft mit dem Beatpoeten Philip Lamantia. 1966 baut Rutman in seiner Künstlergalerie in Soho den Prototyp des Steel Cello und des Bow Chime — das Steel Cello wird später im Museum of Modern Art ausgestellt und von dem Kunstsammler Marx gekauft. Neben der Arbeit an seinem bildnerischen Werk in Boston und New York gründet Rutman 1975 das Steel Cello Ensemble, mit dem er umfangreiche Tourneen durch die USA und Europa unternimmt. 1990 kehrt Rutman nach Berlin zurück, wo er sogleich wieder eine Galerie eröffnet. 1998 trat er mit den Einstürzenden Neubauten auf ihrer USA Tournee auf. Bob Rutman hat mit Peter Sellers, Merce Cunningham, Robert Wilson, Dorothy Carter, Jacalyn Carley/Tanzfabrik Berlin und Wim Wenders zusammengearbeitet. Der alte Mann und sein Stahlcello — längst ist der betagte Beatnik zum Grandseigneur und Lieblingshelden des Berliner Undergrounds geworden.
Nachdem am 30. April 2011 das aktuelle Album erschien, blieben die Musiker im Anschluss an den Auftritt auf dem Klangbadfestival 2011 in Scheer und nahmen mit folgendem Line-up ein weiteres Werk auf, was nun in Arbeit ist. (Stand der Dinge Sept. 2011)
Bob Rutman (D): Steel Cello, Bow-Chime, Stimme
Mike Hentz (D): Harfen, Maultrommeln, Stimme
Christoph Hahn (D): Slide-Gitarre
Kersten Ginsberg (D): Schlagzeug, Perkussion, Stimme
Hans-Joachim Irmler (D): Orgel, Effekte , Stimme (und auch mal Gitarre)
*** no industrial, no futurism – this is pur music from the bottom of our heards and the top of our heads!
Live Kritiken:
Walter Robotka: “…starting off with Bob Rutman who was exceptional. A great character,
excellent band, wonderful music…”
“Am Samstag den 13. Oktober 2007 zog der 77-jährige Beatnik Bob Rutman mit
seinem selbstgebauten Stahlcello, ein über zwei Meter hohes Metallsegel,
das sich unter der Spannung einer langen Saite wölbt, das Publikum in
den Bann. Zusammen mit Mike Hentz an den Maultrommeln und Kersten
Ginsberg am Schlagzeug erzeugte er ein sonores Gewitter.” Kontraste
Festival Review
“Faszination und Geheimnis einer schwingenden Musik aus einer anderen
Welt des Hörens… ” music information center austria
CD: RUTMAN’S STEEL CELLO ENSEMBLE
feat. Ginsberg, Hentz & Irmler
Klangbad / broken silence
VÖ: 29.04.2011
Man kann schon erstaunliches mit den Bogen von Geige, Bratsche, Cello oder Kontrabass bewirken. Gerade dann, wenn man sie zweckentfremdet. Wobei es etwa für klassisch geschulte Schlagwerker zum gängigen Repertoire gehört, das Becken oder den Gong hin und wieder mit einem Bogen zu streichen. Auf diese Weise entsteht ein geisterhafter, quietschend singender Ton, der gleichzeitig einen warmen metallischen Klang hat. Und was man nicht alles streichen kann: Unzählige Gitarristen benutzen Geigenbogen. Mit einem Bogen am Vibraphon oder an Glasplatten erzielt man erstaunliche Effekte. Und Sven-Åke Johanssons Sinfonie für gestrichene Pappkartons verblüfft durch ihren musikalischen Reichtum.
Bob Rutman hat vielleicht das größte Streichinstrument überhaupt erdacht. Mit einem aus Angelschnur gefertigten Bogen streicht er die Aufhängung eines riesigen Stahlsegels und erzeugt auf diese Weise Drones, deren Volumen dem Klang startender Flugzeuge nicht unähnlich ist. Wir denken an Russolo und die Geräuschmusik der Futuristen, an Maschinenmusik, an Industrial. Und damit liegen wir richtig und falsch. Natürlich wirkt allein die Optik von Rutmans Steel Cello martialisch. Dass er 1998 sehr erfolgreich mit den Einstürzenden Neubauten auf USA-Tournee war, erscheint nicht verwunderlich. Dennoch fehlt bei Rutman das Kalte, Entmenschlichte, das zum Wesen der Industrialmusik gehört. Selbst schleifende und schabende Klangflächen, die sich reiben und überlagern wie mächtige Rückkopplungen, klingen bei Rutman warm und persönlich. Dieses Album dokumentiert nicht nur das enorme Klangspektrum eines einzigartigen Musikinstruments. Es ist außerdem Dokument der künstlerischen Verarbeitung von Kriegseindrücken eines Musikers der Generation, die den Lärm von Fliegern und Bombenangriffen noch persönlich erlebt hat.
Bob Rutman, der in diesem Jahr seinen 80jährigen Geburtstag feiert, ist nicht nur Musiker und Instrumentenbauer. Vier Jahre nach seinem Kunststudium in New York und Mexico-City gründete er seine eigene Galerie in New York. Schon immer arbeitete er als Zeichner, Maler und Bildhauer. Das Steel Cello Ensemble gründete er 1975. Nach intensiven Touren in den 70er Jahren ruhte das Ensemble, bis Rutman 1990 auf Betreiben von Matthias Osterwold zurück nach Berlin siedelte. Dort betrieb er in verschiedenen Besetzungen das Ensemble weiter.
Hans Joachim Irmler, Gründungsmitglied der Gruppe Faust, sowie Label- und Festivalbetreiber, hat sich bereits mit unzähligen Kollaborationen profiliert. Sein bevorzugtes Instrument ist die Orgel, aber für das Steel Cello Ensemble betätigt er sich auch als Gitarrist. Der versierte Schlagzeuger Kersten Ginsberg verleiht den typisch krautrockigen „Nähmaschinen-Drums“ durch den Einsatz von Shuffles einen eigenen Dreh. In dieser Produktion, die auf das Konto von Ginsberg und Irmler geht, ackert sich das Schlagzeug phasenweise durch eine stehende Welle aus Lärm. Mal scheint es fast zu ertrinken im Klangbad, dann arbeitet es sich langsam wieder daraus hervor. Dies ist sicher auch dem Umstand geschuldet, dass Rutman mit seinem obertonreichen und voluminösen Spiel seinen Mitmusikern ein hohes Maß an Intensität vorgibt.
Und schließlich ist da Mike Hentz, der Maultrommel spielende Aktionskünstler und Kunstprofessor. Der Klang seines Instruments gibt der Musik des Ensembles einerseits eine beinahe humoristische Leichtigkeit. Andererseits treibt der Puls der Maultrommel die anderen Instrumente unermüdlich an und ergänzt sich sehr organisch mit Ginsbergs Schlagzeugspiel.
Dies ist Musik, deren Körperlichkeit sich gleichsam mit Händen greifen lässt. In einer sehr dynamischen Produktion besinnt sich das Ensemble auf alte Tugenden von Industrial und Psychedelic: Sprechstimmen wie aus dem Polizeifunk, Summenverzerrung, Wawa-Gitarren, treibende Drums und ausladende Klangflächen. Ein Album, das dem Labelnamen „Klangbad“ gerecht wird. – Guido Möbius
Presse Album:
Rutman’s Steel Cello Ensemble: »s/t«Klangbad/Broken Silence
Bob Rutman, 80-jähriger Klangerfinder und Musiker, leitet sein Steel Cello Ensemble seit 1975, bekannt wurde er durch ein von ihm produziertes Instrument, das wahrscheinlich das größte Streichinstrument ist, das jemals hergestellt wurde. Mit seinem Stahlcello war Rutman 1998 Supportact der Amerikatournee der Einstürzenden Neubauten. Für diese im Studio von Faust aufgenommene Produktion hat sich Rutman mit Fausts Hans Joachim Irmler, Mike Hentz und Kersten Ginsberg zusammengetan. Sie spielen Gitarre, Orgel, Mundharmonika und Schlagzeug. Mit seiner schieren Physikalität lässt dieses Album an Pre-Industrial denken, Cut-Up-Samples hier, Wahwah-Gitarren dort, eine Idee von Free Jazz dazu, verzerrte Orgeln aus der Druckkammer des Kopfes, Stimmengewirr jenseits des Verständlichen. Klar ist Krautrock eine zwingende Referenz, dicht ineinander verwobene Klangpartikel schichten sich permanent um, Drones als Möglichkeitsräume zur Umformung der Wahrnehmung. Ein freundlich grollendes Soundmonster. Listen and learn.HEINRICH DEISL
guten tag, heute machen wir einen kleinen abstecher in die abteilung “schräge sounds“. der us-musiker und instrumentenbauer bob rutmann (geb. 1931) hat sich schon vor jahren das größte streichinstrument überhaupt erdacht, und macht damit im rahmen seiner band „steel cello ensemble“ ziemlich außergewöhnliche musik. und so funktioniert das „steel cello“: mit einem aus angelschnur gefestigten bogen streicht der musiker die aufhängung eines riesigen stahlsegels (zwei meter hoch!) und erzeugt auf diese weise drones, deren volumen dem klang startender flugzeuge nicht unähnlich ist. neben dem einzigartigen klang ist natürlich auch die optik des instruments beeindruckend. 1998 begleitete bob ruthmann die „einstürzenden neubauten“ sehr erfolgreich auf ihrer usa-tournee. zur aktuellen band-besetzung gehören noch der von der gruppe „faust“ bekannte hans joachim irmler (gitarre u. orgel), kersten ginsberg (schlagzeug) und kunstprofessor und aktionskünstler mike hentz (maultrommel). irgendwo im weiten feld zwischen industrial und psychedelic angesiedelt, entfaltet das aktuelle album von bob ruthmann mit seinen ungewöhnlichen sounds eine ganz eigene faszination. oft erinnern die kompositionen mit ihrer leicht düsteren atmosphäre an film-musik. verfeinert wird das ganze noch mit sprechstimmen wie aus dem polizeifunk, summenverzerrung, ächzenden wah-wah gitarren, teibenden drums und ausladende klangflächen. dunkle weltuntergangsstimmung wechselt sich rasch mit groove betonter elektronik ab, und danach geht´s gleich wieder zurück ins verstörende klanggewitter. für diese cd sollte man sich unbedingt zeit nehmen, die musik des „steel cello ensemble“ ist nichts, was man so einfach nebenbei laufen lassen kann. lässt man sich jedoch einmal tiefer auf die außergewöhnlichen klänge ein, beginnt das kino im kopf sofort zu laufen. Autor: ROBERT – Rote Raupe
Artverwandt: Faust; Pole Drones. Eine Sinfonie aus Klangwolken, flüssigen Clustern, aufquellenden Fraktalen. Knäuel ineinander verlaufender Zufälle. Auf schwarzen Lavastrand brandende Wellen wiederkehrenden Lärms. Intervalle des Unlogischen aus einer Hölle der Metaphysik. Die Kulmination des Dyonisischen. Steel-Cellist Bob Rutman ist ein Urgestein des tosenden Bewusstseinsstroms. Sein Steel Cello Ensemble ist ein flexibler Organismus. In der aktuellen Ausgabe umgibt er sich mit Hans Joachim Irmler von Faust, der hier zur Gitarre greift, Drummer Kersten Ginsberg und Maultrommel-Spieler Mike Henz. Gemeinsam errichten sie eine Kathedrale düsterer Wucht, deren undurchdringliche Wände jedoch nicht aus Stein, sondern aus Schwingungen und Frequenzen bestehen. Es ist Geschmackssache, wie lange man sich auf diese Architektur einlassen will und kann. Der Zeitpunkt, an dem alles Notwendige gesagt ist, wird relativ schnell erreicht. Alles Weitere ist Rausch und entzieht sich der nüchternen Betrachtung.Top-Track: Zoon / Autor: ECLIPSED
Rutman´s Steel Cello Ensemble feat. Ginsberg, Hentz, Irmler by Klangbad

