Wie bereits mit der spannenden Performance „Symptod“ wird auch bei „Letters – Die Briefe“ ein Tabuthema angepackt und von allen Seiten multiartiell beleuchtet: Totschlag. Dem Autor und Musiker Udo Eberl gelingt es, das aufgewühlte Innenleben eines Täters in der Untersuchungshaft in den Wochen nach der Tat aufzuzeigen. Basierend auf Originalbriefen entstanden Texte, die emotionaler kaum sein können.
Ein Mann sitzt an einem kargen Tisch und schreibt einen Brief. Einen Liebesbrief. Doch schon bald werden die Zeilen zum Flehen und Bitten, einem Stammeln der Wörter: Komm, komm zu mir zurück. Doch sie wird nicht wiederkehren. Er hat sie getötet und durchlebt in seiner Zelle in kürzester Zeit das Grauen und Glück der Metamorphose.
Ein Drahtseilakt zwischen Trauer und Trotz, Selbstverliebtheit und -aufgabe, Selbstschutz und feinhäutiger Verletzlichkeit. Er entleert sich in seine Briefe, beschreibt die Wände, schreit sie an. Ist die weitere Existenz nur durch das Verdrängen möglich? Wird ihn die Einsamkeit erwürgen oder in den Wahnsinn treiben? Ein Tanz mit der Endlichkeit, ein Monolog für die Liebe, während die visualisierten Worte bildhaft gesprengt werden. Ein Fallen ins Nichts und doch viel mehr.
Isabelle Duthoit Klarinette, Stimme, Kompositionen
Friedemann Dähn Cello, E-Cello, Electronics, Kompositionen
Thomas Prazak Schauspieler
Juliette Villemin Tanz, Choreographie
Volker Illi Lichtkunst, Projektionen
Udo Eberl Texte, Sprache


